Wir stehen für eine wohnortnahe und vielfältige Geburtshilfe

Michael Rehwald LAG GPS Geburtshilfe
Michael Rehwald – Stellv. Leiter LAG Gesundheit, Pflege und Soziales

Eine Geburt lässt sich nicht planen. Sichere Geburtshilfe aber muss verlässlich organisiert und gewährleistet werden. Werdende Eltern brauchen die Sicherheit, während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett gut betreut zu werden – in den Städten ebenso wie in den ländlichen Regionen, auch nachts, am Wochenende und im Notfall.

Wie viele Familien das betrifft, zeigen die hessischen Zahlen: Im Jahr 2025 wurden rund 51.740 Kinder lebend geboren, nach rund 53.100 im Jahr 2024. Das entspricht einem Rückgang von etwa 2,5 Prozent. Hinter jeder dieser Zahlen stehen Menschen, die auf eine sichere und verlässliche Versorgung angewiesen sind.

Gleichzeitig ist das Netz der stationären Geburtshilfe kleiner geworden. Nach einer im Juli 2026 veröffentlichten Auskunft des hessischen Gesundheitsministeriums hatten seit 2019 insgesamt 13 Kliniken ihre Geburtshilfestationen geschlossen. Die damalige Auskunft nannte noch 39 Kliniken mit Kreißsaal. Dem Ministerium waren zu diesem Zeitpunkt keine Engpässe in der stationären Geburtshilfe bekannt. Rund 97 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter konnten demnach eine entsprechende Klinik innerhalb von 30 Minuten erreichen, etwa 60 Prozent innerhalb von 15 Minuten.

Seit dieser Auskunft hat sich die Situation jedoch weiter verändert. Die Geburtshilfe des Ketteler Krankenhauses in Offenbach wurde im Juni 2026 geschlossen. In Schwalmstadt endete der Betrieb der Geburtshilfe am 12. Oktober 2026 vorzeitig. Damit wird deutlich, dass sich die regionale Versorgungssituation auch innerhalb kurzer Zeit verändern kann.

Für die FREIE WÄHLER Hessen bleibt deshalb ein Grundsatz aus dem Landtagswahlprogramm 2023 maßgeblich: Geburtshilfe gehört zur wohnortnahen Grundversorgung. Das Ziel, eine geburtshilfliche Versorgung innerhalb von maximal 30 Minuten zu erreichen, muss erhalten bleiben. Gerade in einem Flächenland wie Hessen darf die Entfernung zur nächsten Geburtsklinik nicht dazu führen, dass werdende Eltern auf eine wohnortnahe Versorgung verzichten müssen.

Dabei darf die Betrachtung nicht allein auf statistische Durchschnittswerte reduziert werden. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, wie wichtig eine verlässliche und tatsächlich funktionierende Versorgung vor Ort ist. Eine Klinik kann auf einer Karte erreichbar sein, während sich die konkrete Situation durch personelle Engpässe oder Veränderungen im Angebot kurzfristig anders darstellt.

Wie schnell sich die Versorgung verändern kann, zeigt die Schließung in Schwalmstadt. Nach einem Bericht der hessenschau wurde die Geburtshilfe im dortigen Asklepios Klinikum wegen Personalmangels rund zweieinhalb Monate früher als ursprünglich geplant geschlossen. Der leitende Oberarzt erklärte, dass eine sichere Geburtshilfe mit der verbliebenen Personalbesetzung nicht mehr möglich gewesen sei.

Auch im Schwalm-Eder-Kreis zeigt sich damit die Bedeutung einer wohnortnahen Versorgung. Nach der Schließung in Schwalmstadt bleibt dort die Geburtsklinik in Fritzlar als weiterer stationärer Standort. Gleichzeitig steht auch diese Geburtshilfe unter wirtschaftlichem Druck. Die Stadtverordnetenversammlung setzt sich deshalb für eine dauerhafte und auskömmliche Finanzierung ein. Eine bestätigte Entscheidung über eine Schließung in Fritzlar liegt nach derzeitigem Stand nicht vor. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und eine tatsächliche Schließungsentscheidung müssen klar voneinander unterschieden werden.

Für Michael Rehwald, Mitglied der LAG Gesundheit, Pflege und Soziales der FREIE WÄHLER Hessen, zeigt diese Entwicklung den Handlungsbedarf:

„Schwalmstadt muss ein Warnsignal für ganz Hessen sein. Bevor ein Kreißsaal schließt, müssen erreichbare Alternativen, ausreichend Personal und tatsächliche Aufnahmekapazitäten verbindlich gesichert sein. Werdende Eltern brauchen Sicherheit, auf die sie sich verlassen können.“

Die Aussage beschreibt dabei vor allem die praktische Bedeutung einer wohnortnahen Versorgung. Die politische Grundlage bleibt das bestehende Wahlprogramm der FREIE WÄHLER Hessen: Kleinere geburtshilfliche Abteilungen sollen erhalten bleiben und eine wohnortnahe Geburtshilfe soll auch in Zukunft gewährleistet werden.

Landesweite Durchschnittswerte dürfen regionale Unterschiede nicht verdecken. Hessen besteht aus Ballungsräumen ebenso wie aus ländlichen Regionen. Was in einer dicht besiedelten Region als kurze Entfernung gilt, kann im ländlichen Raum bereits eine deutlich längere Anfahrt bedeuten.

„Eine rechnerische Fahrzeit allein gibt einer werdenden Mutter noch keine Sicherheit. Entscheidend ist, ob der Kreißsaal aufnahmebereit ist und im Notfall sofort geholfen werden kann. Auch Frauen mit längeren Anfahrtswegen dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren“, betont Rehwald.

Zur aktuellen Einordnung gehört auch die Krankenhausreform. Am 2. Oktober 2026 erklärte das hessische Gesundheitsministerium, dass die vorläufige Zuteilung der Leistungsgruppen im Zuge der Krankenhausreform keine Veränderungen in der Geburtshilfe sowie der Kinder- und Jugendmedizin vorsehe. Die endgültige Zuteilung wurde für Dezember angekündigt.

Die Entwicklung in Schwalmstadt zeigt zugleich, dass die Zukunft einzelner geburtshilflicher Angebote nicht allein durch die Landesplanung bestimmt wird. Für die FREIE WÄHLER Hessen bleibt deshalb entscheidend, dass die wohnortnahe Geburtshilfe als Teil der Grundversorgung erhalten bleibt.

„Dass die vorläufige Landesplanung keine Veränderungen in der Geburtshilfe vorsieht, begrüßen wir. Doch Planung und tatsächliche Versorgung müssen zusammenpassen. Ein Standort auf dem Papier reicht nicht: Wir brauchen besetzte Stellen, verlässliche Bereitschaft und ausreichend Kapazitäten“, so Rehwald.

Die FREIE WÄHLER Hessen setzen dabei nicht auf eine starre Vorgabe, dass jede bestehende Geburtsklinik unabhängig von ihrer medizinischen oder personellen Situation dauerhaft erhalten werden muss. Entscheidend ist vielmehr, dass die im Wahlprogramm festgelegte wohnortnahe Grundversorgung tatsächlich erreichbar bleibt und gerade kleinere geburtshilfliche Standorte nicht leichtfertig aufgegeben werden.

Geburtshilfe beginnt nicht erst im Kreißsaal

Gute Versorgung beginnt bereits vor der Geburt und endet nicht mit der Entlassung aus der Klinik. Hebammenbetreuung, ärztliche Vorsorge, Geburtshilfe und Unterstützung im Wochenbett müssen zusammengedacht werden. Familien brauchen während dieser Zeit verlässliche Ansprechpartner und eine gute Zusammenarbeit der beteiligten Berufsgruppen.

Zur Geburtshilfe gehört dabei auch die außerklinische Versorgung. Die FREIE WÄHLER Hessen haben sich bereits im Wahlprogramm 2023 für eine Stärkung der außerklinischen Geburtshilfe und die Förderung von Geburtshäusern ausgesprochen.

Geburtshäuser und geplante Hausgeburten können für geeignete Schwangere eine wichtige Ergänzung zur stationären Geburtshilfe darstellen. Dabei gilt selbstverständlich: Nicht jede Frau kann oder sollte außerklinisch entbinden. Bei Risikoschwangerschaften, bestimmten medizinischen Voraussetzungen oder zu erwartenden Komplikationen ist eine Geburt in einer entsprechend ausgestatteten Klinik erforderlich.

Frauen sollen deshalb gemeinsam mit Hebammen und Ärztinnen und Ärzten eine informierte Entscheidung über den für sie geeigneten Geburtsort treffen können. Dazu gehört eine verständliche Information über die verschiedenen Möglichkeiten der Geburtshilfe und deren Voraussetzungen.

Auch hebammengeleitete Kreißsäle können dabei einen wichtigen Beitrag leisten. Sie ermöglichen eine weitere Form der Geburtshilfe innerhalb des klinischen Rahmens und entsprechen dem im Wahlprogramm formulierten Ziel, unterschiedliche und bedarfsgerechte Angebote zu unterstützen.

Für uns bedeutet eine gute Versorgung deshalb nicht, jeder Frau einen bestimmten Geburtsort vorzuschreiben. Entscheidend ist, dass Frauen entsprechend ihrer individuellen Situation Zugang zu einer sicheren Geburtshilfe haben – außerklinisch oder stationär – und dabei kompetent begleitet und informiert werden.

 

Die LAG Gesundheit, Pflege und Soziales der FREIE WÄHLER Hessen setzt sich dafür ein, die im Landtagswahlprogramm 2023 formulierten Ziele für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett konsequent weiterzuverfolgen.

  • Wohnortnahe Geburtshilfe sichern: Geburtshilfe gehört zur Grundversorgung. Das Ziel einer Erreichbarkeit innerhalb von maximal 30 Minuten soll erhalten bleiben. Dabei müssen insbesondere die Bedingungen ländlicher Regionen berücksichtigt werden.

  • Kleinere geburtshilfliche Abteilungen erhalten: Kleinere Standorte sind ein wichtiger Bestandteil einer wohnortnahen Versorgung und sollen erhalten bleiben, sofern die Voraussetzungen für eine sichere medizinische Versorgung gegeben sind.

  • Freiberufliche Hebammen stärken: Die freiberufliche Hebammenversorgung muss langfristig gesichert und gestärkt werden. Dazu gehören bessere Rahmenbedingungen und eine Unterstützung bei der Berufshaftpflicht.

  • Arbeitsbedingungen verbessern: Gute Arbeitsbedingungen und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass ausreichend Hebammen und medizinisches Personal für die Geburtshilfe zur Verfügung stehen.

  • Außerklinische Geburtshilfe stärken: Geburtshäuser und andere geeignete Formen der außerklinischen Geburtshilfe sollen unterstützt und weiterentwickelt werden.

  • Hebammengeleitete Kreißsäle unterstützen: Kliniken sollen bei der Einrichtung und Weiterentwicklung hebammengeleiteter Kreißsäle unterstützt werden.

  • Hebammenstudium ausbauen: Die Zahl der Studienplätze im Bereich der Angewandten Hebammenwissenschaft soll erhöht werden, um langfristig ausreichend qualifizierte Hebammen zu gewinnen.

  • Versorgung ganzheitlich denken: Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett müssen als zusammenhängende Versorgungsphase betrachtet werden. Die Zusammenarbeit zwischen Hebammen, Ärztinnen und Ärzten sowie weiteren beteiligten Berufsgruppen soll gestärkt werden. Dazu gehören auch eine gute Information der werdenden Eltern und eine verlässliche Unterstützung nach der Geburt.

Rehwald bringt den Anspruch auf den Punkt:

„Sinkende Geburtenzahlen machen die einzelne Geburt nicht weniger wichtig. Jede Mutter und jedes Kind müssen sicher versorgt werden – in Nord-, Mittel- und Südhessen, in unseren Städten genauso wie auf dem Land. Gesundheitspolitik muss diese Sicherheit organisieren und finanzieren. Dabei geht es nicht darum, jeder Frau denselben Geburtsort vorzuschreiben. Es geht darum, dass jede Frau die für ihre persönliche Situation geeignete und sichere Versorgung erreichen kann.“

Wir stehen für eine Geburtshilfe, die wohnortnah, vielfältig und verlässlich ist. Dazu gehören starke Hebammen, gut aufgestellte Kliniken, kleinere geburtshilfliche Standorte als Teil der Grundversorgung und echte Wahlmöglichkeiten zwischen klinischer und außerklinischer Geburtshilfe. Denn eine sichere Geburt darf nicht davon abhängen, wo in Hessen eine Familie lebt.